LXP Systeme schrittweise einführen

Beobachtet man die Trends digitalen Lernens, so fällt auf, dass unter den Begriffen Learning Experience, Learning Journey und Agiles Lernen derzeit Ansätze diskutiert werden, die die Perspektive der Lernenden stärker in den Mittelpunkt der Betrachtung rücken. Besonders sichtbar wird dieser Trend am Markt für die technischen Lernplattformen. Sah man bisher so genannten Learning Management Systeme (LMS) als den Kern einer digitalen Lern-Infrastruktur, so wendet sich die Aufmerksamkeit aktuell den so genannten Learning Experience Plattformen (LXP) zu. In verschiedenen Foren wird diskutiert ob solche LXP parallel betrieben oder ob LXP die LMS irgendwann ersetzen werden. Wahrscheinlich ist das Verschmelzen beider Ansätze zu einem neuen Produkt.

Unabhängig davon, ist diese Entwicklung der Ausdruck eines Paradigmenwechsels in der Organisation digitalen Lernens. Ein klassisches LMS ist auf die Organisation von formalen Lernangeboten ausgerichtet. Das bedeutet: Eine Zuweisung von definierten Lerninhalten an ausgewählte Gruppen. Die Lernmaterialien werden von den Lehrenden ausgewählt und für Ihre Veranstaltungen bereitgestellt. Die Bearbeitung ist verpflichtend. Die Inhalte sind auf den Veranstaltungskontext ausgerichtet – allerdings auch auf diesen begrenzt.

Die Idee von Learning-Experience ist die stärkere Steuerung durch die Lernenden selbst. Das bedeutet die Möglichkeit, auch ergänzende Lernangebote zu nutzen, eigene Inhalte beizusteuern, andere Inhalte zu kommentieren und zu ergänzen. Kurz: Die Idee von Learning Experience setzt an den Ideen konstruktivistischen selbstgesteuerter und sozialer Selbstlernszenarien an, die schon um die Jahrtausendwende in der Wissenschaft diskutiert wurden. Mit den aktuellen technischen Möglichkeiten, sind die Voraussetzungen für deren Umsetzung allerdings deutlich besser:

  • Künstliche Intelligenz (KI) kann die Lernenden bei der Auswahl der passenden Lernangebote unterstützen.
  • Neue technische Standards (TinCan, xApi) ermöglichen die technische Erfassung einer Bearbeitung verschiedener Inhaltstypen.
  • Große Inhaltsanbieter bieten eine Vielzahl an wertvollen Lernmaterialien an –im Hochschulkontext vielfach kostenlos.
  • Lernende sind durch andere Systeme (Netflix, Spotify ..) an Inhaltsempfehlung in großen Content-Mengen gewohnt.

Anders als bei LMS spricht man bei LXP auch nicht mehr von Kursen oder verpflichtenden Lernmaterialien. Mit dem Begriff „Learning Journeys“ soll veranschaulicht werden, dass die Lernerfahrung einer Reise durch eine kuratierte Lernwelt gleicht, die an vielen Stellen unterschiedliche, individuelle Angebote beinhaltet. Es ist das pädagogische Ideal einer selbstgesteuerten, durch intrinsische Lernmotivation vorangetriebene Lernerfahrung des Individuums. Im betriebswirtschaftlichen Kontext wird hierfür oft die Analogie der Agilität bzw. des agilen Lernens bemüht. Agile Management- und Organisationsansätze stellen die Eigenverantwortung kleiner Teams oder der einzelnen Person in den Vordergrund. Innerhalb eines gesetzten Zieles (User Stories) ist es in der Verantwortung der Teams sich zu organisieren und so agieren, dass dieses Ziel erreicht wird. Mit diesem Verständnis wird der Begriff „Agil“ auch zunehmend im Kontext von Lernen verwendet.

LMS LXP 
Compliance-oriented  Offers assignment and tracking that meets regulatory and audit requirements. Trainings credits types (Credit hours, contact hours, CPE etc.) can be assigned. Impact-oriented  Promotes learning and upskilling. LXPs allow employees to engage with the content of their choice. 
Facilitator-led learning  Suited for managing L&D initiatives as instructor-led training or digital content. Onboarding/compliance training can be assigned by administrators, managers or automatically (automatic assignment profiles). Self-led learning  Focuses on self-led learning with digital content based on skills which users have defined themselves.  
Individual learning  Suited for learning programs that don’t require a lot of peer support to be successful.  Social learning  Suited for learning topics that require communication and knowledge exchange. 
Blended learning:  Supports ILT management and digital learning. Digital Learning:  Focuses on digital content; ILT management feature depends on LXP provider. 
Administrator-driven  Content and training material provided and curated by L&D administrators. Employee-driven  End-users can create and share content with little or no restriction. Content is curated by the system itself or by the learners. 
Learning path  Predefined learning paths by administrators or managers Learning path  Flexible learning paths. 
Third party libraries  Focuses on internal content, but can access third-party materials (e.g. via programs)  Third party libraries  Content from internal and external platforms. 
Summary  A LMS is a great way for sharing course information, ensuring compliance, and assessing performance.  Summary  LXPs are learner-driven, meaning that learners select which content they want to engage with. The assessment model is introspective and encourages employees to take non-mandatory training. 

Doch wie schafft man es, diese Ideen selbstgesteuerten digitalen Lernens über eine entsprechende Plattform voranzubringen? Der administrative Rahmen, die gewachsenen Strukturen und auch das eingeübte Lernverhalten der Lernenden scheinen Grenzen zu setzen. Es ist schwierig, einfach einen „Schalter umzulegen“ und von Heute auf Morgen das Lernparadigma einer Organisation komplett zu ändern.

Ein möglicher Ansatz wäre ein schrittweises Vorgehen, bei dem man zunächst Inhalte, sammelt, kuratiert und im Sinne einer Wissensplattform verfügbar macht. Dieses Wissensplattform wird dann schrittweise zu einem LXP-Angebot umgebaut bzw. durch eine entsprechende technische Plattform ergänzt. So gelingt ein kontrollierter und erfolgsversprechender Transfer zu einer modernen Lernwelt.

Mögliches Vorgehen in 5 Schritten:

  1. Konzeptionelle Basis schaffen. Relevantes Wissen analysieren, strukturieren und klassifizieren (Vorbereitungsphase)
  2. Technisches System zur Ablage und Bereitstellung digitaler Lernmedien schaffen. (Zentrale Verwaltung ergänzender digitaler Lernmaterialien und deren begleitende Bereitstellung. Ergänzung zum bestehenden LMS)
  3. Technisches System so erweitern, dass die Lernenden aktiv Inhalte einbringen, bewerten und diskutieren können. (Teilnehmeraktivität und Learning Experience unterstützen)
  4. Die Plattform zum relevanten Bestandteil von verbindlichen Lernszenarien machen. Nutzung in Transfersituationen unterstützen.
  5. Vollständig auf ein LXP-System als führendes System umsteigen. Das klassische „LMS“ nur noch als „Verwaltungstool“ für administrative Prozesse nutzen.

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