Lernziel-Taxonomien – von Schule lernen

Nach unseren Beobachtungen wird im Bereich Corporate Learning zum Teil mit „selbst erdachten“ bzw. veralteten Lernzielkategorien gearbeitet. Dabei ist gerade dieses Feld gut erforscht. Die zentralen Modelle haben sich bewährt und werden vielfach genutzt – aber eben im Bereich (berufliche) Schule und Wissenschaft. In der Lehrer*innen-Bildung gehört die Einordung und Formulierung von Lernzielen zum grundlegenden „Handwerkszeug“.

Ich möchte hier kurz eine der bekanntesten und gebräuchlichsten Lernzieltaxonomien vorstellen.

Bereits in den 1950 und 1960er Jahren entwickelte der Lerntheoretiker Benjamin Bloom (Bloom 1972) ein Stufenschema, in dem er Lernziele auf unterschiedlichen Niveaus aufgliedert. Seine Mitarbeiter David Krathwohl und Lorin W. Anderson haben die Taxonomie weiterentwickelt und empirisch fundiert (Anderson & Karthwohl 2001). Bei dieser Lernzieltaxonomie werden unterschiedliche Kategorien von Lernzielen unterschieden: Kognitive, affektive und psychomotorische Lernziele:

Kognitive Lernziele haben mit intellektuellen Prozessen wie Wissen, Wahr­neh­men, Erkennen, Denken Auffassen, Beurteilen und Begründen zu tun. Hat ein Schüler z. B. Schwierigkeiten, richtig zu buchstabieren, dann hat dies mit dem kognitiven Bereich zu tun.

Affektive Lernziele haben etwas mit Gefühl, Emotion, Einstellung, Anerken­nung oder Wertschätzung zu tun. Langweilt ein Schüler sich beispielsweise, wenn er einen Text lesen soll, so hat dies mit seiner Einstellung, d. h. mit dem affektiven Bereich zu tun.

Psychomotorische Lernziele haben mit Bewegungsfertigkeiten zu tun, z. B. mit Hand oder Maschine schreiben, Ball spielen, tanzen oder ein Musikinstrument spielen.

Im Bereich des Corporate Learning dürfte der Bereich der kognitiven Lernziele der am häufigsten angesprochene Bereich sein, daher werde ich diesen näher erläutern.

Die Stufen der Lernziele für den kognitiven Bereich umfassen:

  1. Wissen (Kenntnisse)
  2. Verstehen
  3. Anwenden
  4. Analyse
  5. Beurteilen
  6. Erschaffen

Die Stufen bauen zum Teil auf einander auf, indes nicht immer und nicht notwendigerweise. So ist Wissen die Grundlage für Verstehen – etwas anwenden können Lernende manchmal auch ohne die Zusammenhänge oder die Komplexität zu verstehen. Der Stufe Beurteilen allerdings muss eine Analyse vorausgehen, ansonsten ist das Urteil nicht fundiert.

Die Formulierung von Lernzielen erfolgt umso präziser, je eindeutiger und operationalisierter (beobachtbarer) die Lernziele beschrieben werden. Die Formulierung kann Auskunft geben über

  • den Lerninhalt (z. B. den Begriff „Geschäftsfähigkeit“)
  • die Bedingungen, unter welchen das Lernziel erreicht werden soll (z. B. auswendig)
  • die Lernhandlung (z. B. erklären können).

Ist ein Lernziel präzise formuliert, so ergeben sich Hinweise auf die Möglichkeiten der Anbahnung des Lernziels sowie auf die Überprüfung der Lernzielerreichung.  

Zur Vertiefung und Beispiel hier zwei Links:

Eine Anleitung des DIE: https://wb-web.de/material/methoden/lernziele-formulieren-leicht-gemacht.html

Eine Handreichung der Universität Mainz: https://www.zq.uni-mainz.de/files/2018/08/4_Lernziele-formulieren.pdf

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