Digital und nicht allein

Erfahrungen aus dem virtuellen Unterricht während der Corona-Krise (Teil I)

Mitte März schlossen sich die Schultüren in allen Schulen des Landes Baden-Württemberg. Damit kam der Umstieg von Präsenzunterricht auf den virtuellen Unterricht abrupt und zunächst für alle überraschend. Lehrerinnen und Lehrer, Schülerinnen und Schüler, alle waren von einem auf den anderen Tag mit der Notwendigkeit des Fern-Unterrichts konfrontiert.

In einem ersten Schritt waren virtuelle Klassenzimmer in Moodle oder der Schulcloud schnell eingerichtet und das Unterrichtsmaterial, das ohnehin in digitaler Form auf den PCs der meisten Lehrpersonen liegt, hochgeladen. Wie viele Lehrerinnen wartete ich gespannt auf die bearbeiteten Arbeitsaufträge meiner Schülerinnen und Schüler – und freute mich über den ersten, der eingereicht wurde. Ich gab ein individuelles, differenziertes und wertschätzendes Feedback und – es kam kein einziger weiterer bearbeiteter Online-Arbeitsauftrag. Die Schülerin hatte sich gefreut und die Lösung, die ich angehängt hatte, damit sie diese nochmals differenziert mit ihrem eigenen Lösungsweg vergleichen konnte, an alle anderen Schülerinnen und Schüler geschickt. Damit hatte sich die Notwendigkeit, etwas einzureichen, erledigt. Beim nächsten Arbeitsauftrag lud ich eine Lernsituation hoch, die die neu zu erlernenden Inhalte im beruflichen Kontext situiert darbot und wartete wieder auf die bearbeiteten Arbeitsaufträge – indes, es kam keiner. Wie sich herausstellte, waren die Schülerinnen und Schüler überfordert, es fehlte die im Präsenzunterricht von der Lehrperson verbal gebotene Einbettung in den Gesamtzusammenhang, die Vorwissensaktivierung, die Hinweise, wozu die neuen Inhalte nützlich sind u. v. a. m. Der Text, die schriftlich dargebotene Lernsituation, konnte die Schülerinnen und Schüler nicht motivieren, insbesondere nicht in der sozialen Isolation allein vor dem Rechner.

Glücklicherweise richtete unsere Schule schnell ein Videokonferenzsystem ein, das in unser Learning-Management-Sysstem Moodle integriert ist. BigBlueButton funktioniert ähnlich wie Microsoft Teams, Skype oder Zoom. Der Vorteil gegenüber anderen Systemen ist somit nicht die Technik, sondern die Einbettung in die didaktisch aufbereitete virtuelle Lernumgebung im Learning-Management-System. Die Schüler verwenden den gleichen Zugang, sie benötigen keine externen Links, die als Einladung zu einem externen System verschickt werden müssen. Die Bedienung ist intuitiv und für Schülerinnen keine Hürde. Alle können sich per Video und Mikrofon zuschalten und auch Inhalte selbst präsentieren. BigBlueButton war unsere Rettung, alle hatten das Gefühl sich endlich „wiederzusehen“. Alle „kommen“ gerne zum virtuellen Unterricht und die Arbeitsaufträge zu bearbeiten ist nach der Einführung durch die Lehrperson auch kein Problem mehr. Diese Erfahrung stützt nun auch wieder meine These: Auf die Beziehung kommt es an – auch und gerade im virtuellen Unterricht!

Angela Kräft

P. S. Im nächsten Artikel gehe ich auf die spezielle Didaktik des virtuellen Unterrichts ein.

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