Die digitale Akademie – warum online-Lernangebote eine zentrale Plattform brauchen

Die gegenwärtige Krisensituation bringt dem „digitalen Lernen“ einen enormen Schub. Aus der einfachen Tatsache heraus, dass es schlicht nicht anders geht, fangen Unternehmen, Schulen und andere Organisationen an, klassische Schulungsangebote in digitale Formate zu transferieren. Vieles läuft dabei nach der Methode „Versuch und Irrtum“. Man nutzt Skype für Online-Schulungen oder Whatsapp zum Austausch von Aufgaben. Lernmaterialien werden eingescannt und per Mail versendet. Teilweise gibt es zentrale Server zur Ablage von Inhalten, manche haben ein Learning-Management-System. Viele haben verschiedene Systeme zur Verfügung und stehen vor der schwierigen Aufgabe, die richtigen Kanäle auszuwählen.

In der Praxis kann man beobachten, dass die Vielzahl an unkoordinierten Aktivitäten nicht immer das erreicht, was beabsichtigt ist: einen koordinierten Lernprozess. Schüler sind verwirrt, da jede Lehrerin und jeder Lehrer eigene Kanäle nutzt – analog zu den entsprechenden digitalen Kompetenzen. Mitarbeiter in Unternehmen erleben zum ersten Mal, wie viele technische Plattformen eigentlich verfügbar sind und wie verwirrend das ist, mit x verschiedenen Systemen und noch viel mehr Ablageorten zu operieren. Im Home-Office, ohne direkten Kontakt zu den technisch versierteren Kolleginnen und Kollegen und mit den Beschränkungen des heimischen Equipments, verschärft sich diese Situation. „Hallo – kannst Du mich hören“, „-Sieht man mich?“, „Wo finde ich das Dokument“, „Ich komme nicht rein“, „ich habe das nicht bekommen, Du?“, „Wie lege ich das Team an? – sind Fragen, die derzeit wahrscheinlich millionenfach durch den virtuellen Raum geistern.

Hier zeigt sich deutlich, dass der Lern- und Erfahrungsprozess, den viele professionelle Weiterbildungs- und Personalentwicklungsabteilungen bereits durchlaufen haben nun auch in der Masse der Institutionen ankommt bzw. ankommen muss.

Die Organisation von digitalem Lernen in einer Organisation braucht eine zentrale Plattform!

Die Gründe hierfür sind vielfältig.

  • Technische Standards: Dieses Thema liegt auf der Hand. Einheitliche technische Standards in einer Organisation reduzieren Fehler und entsprechende Frustrationserlebnisse bei allen Beteiligten. Sie sorgen dafür, dass Lernmaterialerstellungs- und -verteilprozesse sicher laufen. Sie erleichtern den unterstützenden Einheiten (IT/Helpdesk) die Hilfestellung; gerade in Zeiten von Home Office. Und sie ermöglichen ein stabiles Setup, das verhindert, dass die „Technikfragen“ das Online-Lernen überlagern.
  • Organisation/Prozesse: Mit dem Thema Lernen sind in allen Organisationen eine Vielzahl von administrativen Prozessen verbunden: Zum Beispiel die Einladung zu Veranstaltungen, die Terminfindung, das Zurückschreiben von Lernergebnissen, das Führen einer Lernhistorie, die Freigabe von Veranstaltungen durch das Management – oder in Schulen: Anwesenheiten, Lernerfolgskontrollen, verbindliche Kommunikation. All das ist nicht steuer- und administrierbar, wenn es in zahllosen Systemen unkoordiniert abläuft.
  • Findbarkeit/Ablage: Lern- und Informationsangebote müssen findbar und nutzbar sein. Das gilt für Trainer/Lehrer/Autoren ebenso für wie Lernende bzw. Schüler. Es ist auch in der Schule keinem Schüler/keiner Schülerin zuzumuten, den Maileingang, WhatsApp, Facebook und weitere Kanäle zu checken, um auf dem Laufenden zu bleiben. Wie in der Schule auch: es gibt einen Ort an dem Lernangebote angekündigt werden. Es gibt einen Kanal. Nur so kann das funktionieren. Und nur so kann eine entsprechende Verbindlichkeit eingefordert werden.
  • Nachhaltigkeit: ein großer Mehrwert digitalen Lernens ist seine größere Nachhaltigkeit bzw. dauerhafte Verfügbarkeit. Online Seminare können aufgezeichnet werden, Selbstlernangebote erlauben eine eigene Lerngeschwindigkeit, Lernmaterialien können beliebig oft aufgerufen werden. Dieser Mehrwert ist nur gegeben, wenn es eine zentrale Ablage für solche Inhalte gibt – wenn die Lernenden, seien es Schüler oder Mitarbeiter, wissen, wo und wie sie auf diese Inhalte zugreifen können.
  • Verbindlichkeit und Nachweis: Viele formale Lernprozesse brauchen eine Verbindlichkeit und Nachweisbarkeit. In Schulen wird das durch Prüfungen und Noten dokumentiert. In Unternehmen sind es oft gesetzliche Bestimmungen, die eine Dokumentation des Lernens notwendig machen. Vielfach sind es auch die Lernenden selbst, die Urkunden, Zertifikate und Badges für erfolgreich durchlaufene Lernangebote einfordern. Ohne zentrale Verwaltung ist ein solcher Service nicht möglich.

Eine zentrale Plattform bedeutet dabei nicht, sich auf eine Technologie zu beschränken. Zentral ist sicher die Auswahl eines passenden Learning Management Systems (LMS). Ein LMS bildet eine Vielzahl der administrativen Prozesse in Aus- und Weiterbildung ab. Es stellt die digitalen Lernangebote bereit und verwaltet die unterschiedlichsten Veranstaltungstypen. Neben dem LMS braucht es Software für virtual Classroom Training; d.h. solche Systeme die einen simultanen Austausch über Video, Audio, Whiteboard und diverse Rückmeldeoptionen bieten.

Für alle, die digitale Lernmaterialien selbst bauen möchten, empfiehlt sich ein professionelles Autorentool. Wenn mehrere Autoren zusammenarbeiten sollen, ist ein ergänzendes (Learning-) Content Management System notwendig. Für informelle Lernprozesse und die laufende asynchrone Kommunikation kann eine Social Media Plattform zum LMS dazugeschaltet werden. Gerade für Schulen empfiehlt sich ein solches Werkzeug für Gruppenarbeiten bzw. gemeinsame Hausarbeiten. Unternehmen können damit Lernen und Arbeiten in Teams organisieren.

Speziell für Unternehmen empfehlen sich darüber hinaus auch Werkzeuge, die Lernen direkt in den Arbeitsprozess integrieren. Man spricht hier von so genannten EPSS = Electronic Performance Support Systemen. Das kann eine intelligente Online-Hilfe direkt in der Software sein oder auch ein mobiles Lernangebot passend zum aktuellen Bedarf. Der Mehrwert dieser Systeme ist die direkte positive Auswirkung auf den Arbeitsprozess.

Die Vielzahl der Begriffe und Werkzeuge mag Einsteiger überfordern. Und tatsächlich ist es nicht einfach, sich im „Dschungel“ der verschiedenen Software-Systeme zurecht zu finden. Mein Tipp für Ihren Start: Definieren Sie erst Ihre Strategie und leiten Sie daraus die Anforderungen an technische Systeme ab. Fangen Sie klein an und kaufen Sie nicht einfach einen „Tool-Zoo“. Lassen Sie sich von Experten beraten. Das ist günstiger als überflüssige Software-Lizenzen zu erwerben. In diesem Sinne: Schaffen Sie eine zentrale Plattform für digitales Lernen in Ihrer Organisation. Aber machen Sie es am besten von Anfang an richtig!

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