Ambidextrie auch in der Personalentwicklung?

Agilität überall – auch im beruflichen Lernen. Kaum eine Veranstaltung oder Veröffentlichung, bei der nicht für Agilität als Methode oder Lernziel geworben wird. Alles wäre in Veränderung, in Bewegung, in Unsicherheit. Die VUCA Welt lasse gar keinen andere Schluß zu. Agiles Lernen steht dabei oft für selbstgesteuerte, freiwillige und soziale Lernprozess mit einer sehr großen Varianz an Inhalten und Methoden. Wer nicht wisse, was die Zukunft bringe, müsse viele Wege ermöglichen und fördern.

So weit sicher nicht falsch. Und Agilität und Veränderung sind zu Recht dominierende Themen unserer Zeit. Was aber gerne übersehen wird: Die Agilitäts-Experten selbst behaupten gar nicht, dass alle Unternehmensteile agil sind bzw. agil sein sollten. Die Rede ist von einem ausgewogenen Gleichgewicht – von „Ambidextrie“ als gelungener Mischung von agilen und prozessgetriebenen Unternehmensteilen. Agilität ist dort gut, wo Neues erdacht, entwickelt und ausprobiert wird. Agilität ist im Wettbewerb und im Wettlauf, im Entwickeln und Verändern das geeignete Prinzip. Neben dem „Spielbein“ hat ein Unternehmen aber auch ein „Standbein“ – ein Bereich, der effizient nach erprobten Prozessen produzieren bzw. leisten muss. Nur so können auch wirtschaftliche Anforderungen erfüllt werden.

Die Abläufe in einem ERP-System (z.B. SAP) sind nunmal nicht agil sondern gegeben. Buchungsvorgänge, Prozesse in der Logistik und viele andere Themen mehr brauchen keine agile Methoden sondern klassisches „Einüben“ bzw. traditionelles Lernen. Machen wir uns ehrlich: Agilität in der Personalentwicklung ist wünschenswert und vielfach zu wenig beachtet. Die Lösung kann aber nicht sein, auf nichts außer Agilität zu setzen. Wie auch für das Unternehmen selbst sollte für Aus- und Weiterbildung in einem Unternehmen gelten: Es kommt auf das Gleichgewicht an; auf Ambidextrie!

Bild: twinlili / pixelio.de

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